FIFA 15 für PS4/Xbox One im Hands on Test (09/2014)


FIFA sorgt seit Jahren für emotionsvolle Fußballspiele mit der Lieblingsmannschaft im eigenen Wohnzimmer. Zum Release von FIFA 15 haben wir uns die Fußballsimulation einmal genauer angeschaut und für euch getestet.


FIFA 15 Test

 

Mit Olaf Thon auf dem Cover fing bei mir damals alles an. Noch auf der guten, alten Playstation 1 fegte ich mit Jari Litmanen und Bixente Lizarazu über den Platz. Den Hallenmodus gab es in dieser Version schon nicht mehr, leider. Ab 2006/2007 fühlte man sich so langsam, als ob man eine wirkliche Fußballsimulation spielen würde. Das Gras wirkte damals so echt, die Spieler so detailgetreu. Ein kleines Schmunzeln überkommt einem da, wenn man gerade einen Tag lang FIFA 15 gespielt hat. Mit dem Erscheinen der Playstation 3 wurde FIFA dann zum Massenphänomen. Ich hatte plötzlich nicht mehr zwei Freunde, die mit mir auf einem Level waren, sondern ein Großteil meines männlichen Freundeskreises spielt seitdem leidenschaftlich gern FIFA. Bei keinem anderen Spiel wird soviel Geflucht. Bei keinem anderen Spiel ist eine Niederlage gegen den Kumpel so emotionsgeladen. Natürlich tragen auch diverse Bugs zu Wut und Unverständnis bei. Jedes Jahr aufs Neue erhofft man sich Verbesserung. Inwieweit EA sich dieses Mal an den Wünschen der User orientiert hat, möchte ich in diesem FIFA 15 Review ausführen.

Der Torhüter

Der Torhüter ist der einzige Spieler auf dem Feld, auf den man sich zu 80% verlassen muss. Man kann ihn zwar raus laufen lassen, aber im Endeffekt muss man sich auf die Intelligenz des Torhüters verlassen. Diese Intelligenz lies schon immer zu Wünschen übrig. Der wohl nervigste Bug überhaupt: Ein Spieler lupft über den Torwart. Anstatt sich nun umzudrehen und zum Ball zu laufen, watschelte der Keeper nun gemächlich zurück. So waren Lupfer, die einmal den Torhüter überwunden haben, ziemlich sichere Buden.

Meine Meinung
Fabian
Testberichte-Blogger
“Der Sprung, vor allem für ehemalige PS3 User, ist riesig und ein Kauf lohnt sich in jedem Fall. Die Ballphysik und das Spielerverhalten haben sich wirklich verändert. Die Torhüter sind keine Zombies mehr, ohne Spielintelligenz auf den Ball zu stürmen. Wer ein Fan der Premier League ist, der muss, dank neuer Atmosphäre, Stadien und Fangesängen sowieso zugreifen.”

Laut EA wurde der Torhüter komplett überarbeitet. Das an dem Torwart gearbeitet wurde, ist spürbar. Sein Verhalten wirkt besser. Es ist nicht mehr zu 100% vorhersehbar, ob der Ball im Tor landet oder nicht. Das macht das gesamte Spiel spannender. Es gibt kein „Bei Situation A tritt Ergebnis B“-Muster mehr auf. Interessant ist auch das Zusammenspiel mit einem Verteidiger. Holt man den Torhüter raus, so wartet ein Verteidiger auf der Linie. Dies musste ich früher immer manuell machen, wobei der Verteidiger zwar bis zur letzten Sekunde richtig stand, er aber dann beim Abschluss des Gegner die Flucht ergriff. Nun tut der Spieler was er soll und rettet auf der Linie. Das macht einfach Spaß und sorgt für weniger Frust. Auch interessant ist die Tatsache, dass man einen Torhüter endlich einmal wirklich verladen kann. Das Antäuschen eines Schusses hat bisher meist nur die Verteidigung verwirrt. Nun greift auch der Torhüter gelegentlich daneben. Sehr Auffällig ist die Tatsache, dass der Torhüter wirklich sehr oft den Ball zur Mitte hin abklatschen lässt. Die Paraden wirken so einerseits realistischer, andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass dies in Zukunft, vor allem online, zu viel Frust führen wird.
Insgesamt sind die Torhüter wirklich besser und intelligenter geworden.

FIFA 15 Review 1Emotionen

Emotional Reactions! „Die Spieler zeigen neue, authentische Reaktionen auf Entscheidungen, misslungene Zweikämpfe, verpasste Torchancen, Tore und andere wichtige Spielereignisse.“, behauptet EA. Während des Spielens mit der Demo dachte ich mir: „Hmm, vielleicht kommt dieses Feature erst mit der Vollversion.” Leider habe ich nach stundenlangem Spielen mit der Vollversion nicht wirkliche Veränderungen oder sogar Verbesserungen gesehen.

Ballphysik und Spielerverhalten

Bevor man die Menüführung, die Stadionatmosphäre, den Kommentator oder das Aussehen der Spieler bewertet, ist das Wichtigste einer Simulation immer noch, möglichst realitätsnah das Geschehen auf dem Platz zu simulieren. Man möchte die Bundesliga nachspielen und seinen Idolen zeigen, wie es richtig geht. Dank immer besserer Konsolen und jahrelanger Erfahrung sind Sportsimulationen an einem Punkt angelangt wo man nur noch denkt: „WOW, das sieht echt gut aus! Und das fühlt sich auch verdammt echt an!“. Meines Erachtens gehören da Madden und NBA2K zu den Simulationen, die sich beinahe perfekt anfühlen. Vielleicht liegt es an meinem extrem hohen Involvement an Fußball und FIFA, vielleicht liegt es an der Komplexität einer Fußballsimulation oder einfach nur daran, dass EA einfach kein perfektes Spiel veröffentlichen möchte. Es soll ja schließlich jedes Jahr ein neuer Ableger erscheinen. Auf jeden Fall ärgert man sich immer wieder darüber, wie Tore entstehen, wie sich Spieler verhalten und mit welchen Bugs man schon wieder ein Tor kassiert hat. Oft habe ich mich schon auf der Games Convention, beziehungsweise später Gamescom, nach 4 Minuten darüber geärgert, was schon wieder nicht verbessert wurde.

FIFA 15 ReviewIn diesem Jahr war ich seit langer Zeit wieder positiv überrascht. Auch nach stundenlangem Spielen bin ich grundsätzlich positiv gestimmt. Das Spiel fühlt sich nicht mehr so schnell und Acard-lastig an, wie im letzten Jahr. Es wird langsam zu einer richtigen Simulation. Auch die Zweikämpfe fühlen sich besser und kontrollierbarer an. Gut gelungen ist hingegen der Einwurf. Ein Einwurf sorgt nicht gleich für einen „Reset“ der Spielerpositionen, was die Realität weiter steigert (Außerdem sorgt ein Einwurf nicht mehr sofort für Ballverlust). Insgesamt ist alles auf einen flüssigen Spielfluss ausgelegt.

Jedoch gibt es ein paar Sachen, die mir in der Demoversion nicht wirklich aufgefallen sind, mich nun aber doch etwas nerven. Ich habe immer öfter das Gefühl, die Spieler haben Angst vorm Ball. Vor allem in der Defensive bewegen sich die Spieler eher weg, als hin zum Ball. So ergeben sich für den Gegner oft riesige Räume, die nie entstehen dürften, nur weil die komplette Defensive dem Spieler mit dem Ball aus dem Weg gehen. Das ist völlig unverständlich und sorgt bei vielen Spielern für ein regelmäßiges Torfestival auf beiden Seiten. Ich denke, dies lässt sich jedoch mit einem einfachen Patch beheben, denn in der Demoversion ist dieses Problem nicht aufgetreten. Momentan fühlt sich jedes Spiel eher wie eine Partie zwischen dem 1. FC Wunstorf und TSV Ottersberg an, als ein FC Bayern München gegen den FC Barcelona an. Die gesamte Abwehr besteht quasi dauerhaft aus vier Joel Matips. So gehen auch oft Pässe, bereits aus kurzer Distanz, einfach am Passempfänger grundlos vorbei, was oft in einer Interception landet, wie die Amerikaner gerne sagen.


Meine Meinung

Testberichte-Blogger
“So unterschiedlich können die Eindrücke ausfallen. Für mich ist FIFA 15 eine erschreckende Entwicklung in Richtung massentauglichem Arcade Kick. Als Defensiv Spieler fühlt man sich vor allem online teilweise total hilflos. Klar, Spaß macht es trotzdem und der Umfang ist enorm – ich würde mir nur gerne eine realitätsnahere Darstellung des Sports im nächsten Jahr wünschen.”

Damit möchte ich jedoch nicht meinen anfänglichen Lobgesang revidieren. Denn das Spiel fühlt sich einfach echter an.

Interessant ist auch das Spielverhalten bei bestimmten Situationen. Setzt man einen Spieler extrem unter Druck, so wird der Ball einfach rausgebolzt. Vor allem in heiklen Situationen im eigenen Strafraum wird eine Situation so oft schnell entschärft. Eine Ballannahme die oft zum Ballverlust führt, wird somit frühzeitig verhindert.

Auch die Grätschen sehen mittlerweile wirklich gut aus. Eine gut getimte Grätsche führt zum direkten Ballgewinn und Konter. Der Ball bleibt quasi am Spieler haften und landet nicht irgendwo im Nirgendwo. Andererseits ist mir auch aufgefallen, dass die Gegner in diesem FIFA wirklich ruppen. Grätschen direkt von hinten sind keine Seltenheit, sondern die Regel. Dies passiert natürlich oft im Onlinemodus. Aber offline? Da sollte vielleicht nachgebessert werden.

Neben den Grätschen wurde auch am Kopfballverhalten gearbeitet. Endlich gilt: Wer besser steht und rechtzeitig Anschwung nimmt, der gewinnt auch das Kopfballduell.FIFA 15 Review 2

Ecken, Abstöße und Freistöße

Klappt es nicht über das Kombinationsspiel, so sorgt oft eine Standardsituation für die Erlösung. In einer älteren FIFA Version konnte man mal Spielabläufe bei Ecken vorher einstellen und koordinieren. Das dies auf Dauer zu stark ausgenutzt werden würde, war wohl auch EA schnell klar, sodass dieses Feature abgeschafft wurde. In FIFA 15 findet man nun eine überarbeitete Version der „Ecken-Taktik“. Beispielsweise kann man vorher Ansagen, dass man den Ball auf den langen oder kurzen Pfosten schießen wird. Darauf stellen sich die Spieler dann ein. Bei Ecken,Einwürfen, Freistößen und Abstößen kann man nun den Passempfänger direkt steuern. Vor allem bei Einwürfen ist dieses Feature, was es in einer anderen Form schon einmal Mitte der 2000er gab, sehr hilfreich. Komisch ist nur, dass bei Freistößen der zuvor positioniere Spieler oft gar nicht angespielt wird.

Freistöße waren für mich immer eine Art „Meisterdisziplin“. Nur diejenigen, die sich stundenlang in der Arena damit beschäftigen, können einen Großteil ihrer Freistöße versenken. Vor allem in den höheren Online-Ligen ist ein Freistoß eine totsichere Chance. Mittlerweile sind Freistöße 0815 Tore. In meinen ersten fünf Online Spielen hatte ich bereits zwei Freistoßtore selber gemacht und in den laufenden Spielen mindestens drei kassiert.

Ultimate Team

Das schlaue Köpfchen, welches sich FIFA Ultimate ausgedacht hat, ist nicht nur beim Kassenwart von EA sehr beliebt, auch bei den Usern erfreut sich der Modus großer Beliebtheit. Ich selbst spiele kaum etwas Anderes als den Ultimate Modus. Der Aufbau seines eigenen Teams ist einfach spaßig. Und wenn man FIFA spielen kann, freut es einen umso mehr,  den Leuten, die viel Geld für Packs ausgegeben haben, auch noch 3 Punkte wegschnappet. Das man selber in 3-4 Jahren FIFA Ultimate noch nie einen besseren Spieler als Paolo Maldini gezogen hat, damit habe ich mich bereits abgefunden. Der Aufbau des UT-Bereichs ist wieder identisch, die WebApp funktioniert einwandfrei und der Handel um die Spieler ist bereits seit Tagen entfacht. Auffällig ist, dass immer mehr Personen UT spielen. Dadurch gibt es kaum noch seltene Spieler und die Preise sind dieses Jahr bereits zum Release im Keller. Nur eines wundert mich dieses Jahr sehr stark. In den letzten Jahren war es für mich kein Problem, die ersten 4-6 Ligen am Stück aufzusteigen. In diesem Jahr habe ich nach 4-5 Spielen noch keine einzige Partie gewonnen. Die Gegner waren mir, trotzt Chemie 100 und Passquoten von 80-95%, gnadenlos überlegen. FIFA wird halt nicht nur immer beliebter, die Gegner werden auch immer besser. Neu sind die Konzept Mannschaft sowie die Leihspieler. Man kann bestimmte Spieler ausleihen. So bekommt man beispielsweise am Anfang Arjen Robben für drei Spiele zur Verfügung gestellt. Leihspieler sind besonders sinnvoll für die ganz wichtigen Spiele. Die Konzept Mannschaft hilft einem dabei, die richtigen Spieler zu finden. Möchte man herausfinden, ob der Wunschspieler wirklich zum eigenen Team passt, fügt man ihn einfach der Konzeptmannschaft hinzu. So sieht man rein theoretisch, ob die Chemie mit den anderen Spielern stimmt.

Video


Quelle: YouTube

Atmosphäre

Die Barclays Premier League ist die beliebteste Liga der Welt. Alle 20 Teams spielen guten Fußball und jedes Jahr spielen sechs bis sieben Teams um den Titel. Die besten Spieler der Welt treffen Woche für Woche, auf der Insel, aufeinander. Nun hat EA alle 20 Stadien nachmodelliert, authentische Fangesänge implementiert und weitere Spieler realitätsnah gestaltet. Bereits in der Demo wird klar, wie cool das ganze ist. Wenn man in der 85. Minute mit Liverpool gegen City führt und die gesamte Anfield Road singt „You’ll never walk alone.“. Gänsehautstimmung im eigenen Wohnzimmer. Das ist einfach nur cool. Das bringt das Fußballherz zum Schlagen und lässt einen kurz vergessen, dass man eigentlich nur einen Controller in der Hand hält. Natürlich tritt diese Atmosphäre nur bei Premier League spielen auf. Spielt man mit einem Bundesliga Verein, gibt es zwar Choreographien und die Zuschauer pfeifen, wenn der Schiri zu lange spielen lässt, aber es ist kein Vergleich zur neuen Atmosphäre auf der Insel. Da hat EA ganz klar ein super Feature eingebaut.

Sonstiges

Ich habe noch FIFA 14 auf der Playstation 3 gespielt. Dort war das Menü ein Graus. Es war langsam, hat gehackt und ganze Menüpunkte wurden einfach übersprungen. Die Menüführung war unerträglich. Man hat gemerkt, dass das Menü für die Playstation 4 konzipiert wurde und der Last-Gen-User die A-Karte gezogen hat. Nun wirkt das Menü, da es flüssig läuft, sehr hübsch und übersichtlich.

Die Kommentare von Manni und Buschi haben sich nicht großartig verändert. Es gibt natürlich wieder einige neue Sätze und Anekdoten. Aber von Kareem Abdul-Jabbar habe ich letzt Nacht schon wieder geträumt, so oft hat mir Buschi von diesem Ausnahmespieler berichtet.

Der Karrieremodus hat sich kaum bis gar nicht verändert. Insgesamt wurde das Team Management überarbeitet. Ich persönlich finde es nun unübersichtlicher.

Interessant sind die neuen taktischen Anweisungen. Man kann nun einen Abwehrblock stellen oder das gesamte Team nach vorne schicken. Das ermöglicht einem ganz neue Möglichkeiten.

FIFA Momentum. EA bestreitet bis heute, dass es so etwas gibt. Aber jeder weiß, dass es dieses FIFA Momentum gibt. Wenn man 80 Minuten lang schlechter ist und mit 0:3 zurück liegt,dann glaub man einfach selber nicht mehr an Gerechtigkeit und Können, wenn es in der 90. Minute plötzlich 3:3 steht. In FIFA 15 habe ich bisher vom Momentum noch nichts mitbekommen. Aber auch hier ist eine konkrete Aussage erst nach mehreren Wochen oder Monaten möglich. Bisher habe ich jedoch alle Spieler fair verloren oder gewonnen. Mit Ausnahme von den Spielen, in denen die prachtvollen EA-Server abgestürtzt sind und das Spiel gegen mich gewertet wurde. Warum EA bis heute keine vernünftigen Server hat, wäre mal eine interessante Frage für Herrn David Rutter.

Die Videosequenzen. Ein Punkt, der mich seit Jahren aufregt, wurde nicht behoben. Wieso ist es nicht möglich bestimmte Sequenzen zu überspringen oder zuvor ganz auszustellen? Warum muss ich 30 Sekunden mit ansehen, wie der Schiedsrichter über den gesamten Platz rennt, um eine gelbe Karte zu verteilen? Warum muss ich mir anschließend angucken, wie sich mein Spieler darüber aufregt? Wieso? Und in diesem Jahr gibt es gefühlt 100 Sequenzen pro Spiel. Selbst, wenn der Torhüter sich den Ball nimmt, um einen Abstoß durchzuführen, gibt es 2-3 Sequenzen. Das stört den, von EA sonst so gut umgesetzten, Spielfluss extrem. Gerade beim Elfmeter ist es mir unverständlich, wieso ich nun mit anschauen muss, wie der Spieler den Ball hinlegt und langsam Anlauf nimmt. Hoffentlich wird sich dies zu FIFA 16 wieder ändern.

 

Am Ende bleibt nur eine Frage offen: EA! Wo bleibt denn nun der Hallenmodus?!

 

+ Balphysik
+ Atmosphäre
+ Torhüter
– Keine Spieler-Emotionen
– Zu viele Videosequenzen
– Spieler bewegen sich vom Ball weg

 

FIFA15 Test

Umfang
Gameplay
Präsentation
Online
endbewertung

 

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